Der Mond ist weit genug entfernt, um unerreichbar zu bleiben, und nah genug, um Erinnerungen an sich zu binden. Eivør macht ihn zum Namensgeber ihres neuen Albums: „Tungl“ erschien am 16. Oktober 2026 über Nuclear Blast. Das färöische Wort bedeutet Mond. Zum Beginn des Novembers lohnt sich ein Blick auf die Geschichten hinter der Veröffentlichung – und auf zwei Videos, die einen direkten Zugang zu ihr öffnen.
Wenn eine Kindheitserinnerung weiterlebt
Zur Veröffentlichung stellte Eivør das Video zu „Og Mánin Græt / And The Moon Cried“ vor. In der offiziellen Meldung des Labels führt sie den Song auf eine verblasste, aber weiter nachwirkende Erinnerung zurück: Als Kind habe sie zum Mond aufgesehen und sich gefragt, warum er traurig wirke.
Das Bild hat etwas schmerzlich Vertrautes. Wir geben Dingen am Himmel Gefühle, für die uns auf der Erde noch die Worte fehlen. Diese Lesart ist ein möglicher Zugang zum Thema des Songs; wie die Musik diesen Gedanken trägt, lässt sich über das verlinkte Video selbst entdecken. Für dessen Umsetzung zeichnet Gwenaël Akira verantwortlich.
„Dragon Maiden“ und der Mut, Kontrolle abzugeben
Einen anderen Ausgangspunkt beschreibt Eivør für „Drekafljóð / Dragon Maiden“. Nach ihren Erläuterungen in der Albumankündigung entstand der Song aus einem länger mitgetragenen Gedicht, das sie gemeinsam mit Marjun S. Kjelnæs fertigstellte. Produziert und aufgenommen wurde er mit Tróndur Bogason und ihrer Band.
Eivør verbindet die Geschichte mit Intuition und der Bereitschaft, Ungewissheit zuzulassen. Das ist eine andere Vorstellung von Stärke als die vom unerschütterlichen Durchhalten: Manchmal kostet es Kraft, den Griff zu lockern. Das Video entstand in Svínadalur auf Island unter der Regie von Krassasig, Kristinn Arnar Sigurðsson. Schon die dokumentierte Entstehung verbindet damit einen inneren Konflikt mit einem konkreten Ort.
Zehn Titel unter einem Mond
„Tungl“ umfasst zehn Stücke. Die offizielle Titelliste reicht vom eröffnenden „Og mánin græt“ bis zu „Everyone But Me“. Zu ihr gehören außerdem „Verjugarðar / Walls“, „Spøkilsir / Revenants“ und „Fangað / Trapped“, bei dem Elinborg als Gast genannt wird. Die Veröffentlichung ist digital sowie auf CD und Vinyl erhältlich; die offizielle Albumübersicht führt zu den Angeboten.
Wer bei Raven zuletzt über Enslaveds „Mið“ und die Suche nach einer Mitte gelesen hat, findet hier eine verwandte Frage in einem anderen künstlerischen Zusammenhang: Woran orientieren wir uns, wenn Sicherheit brüchig wird? Bei Eivørs eigenen Erläuterungen liegen Erinnerung und Vertrauen dicht beieinander. Das macht die Hintergründe des Albums auch für Leser interessant, die Musik jenseits fester Genregrenzen entdecken möchten.
Im November führt der Weg durch Nordamerika
Während das Album bereits verfügbar ist, führt Eivørs offizieller Konzertkalender durch Nordamerika. Dort sind unter anderem St. Louis am 6. November, Madison am 7. November und Minneapolis am 8. November 2026 verzeichnet. Für konkrete Reisepläne bleiben die verlinkten Veranstaltungsangaben maßgeblich.
Für den Einstieg braucht es jedoch keine Reise. Zwei offizielle Videos und ein vollständiges Album stehen bereit. Zwischen der Erinnerung an einen traurigen Mond und der Idee, dem Ungewissen zu vertrauen, liegt eine Frage, die in einen langen Novemberabend passt: Was dürfen wir loslassen, ohne uns selbst zu verlieren?


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