Poesie Datenbank · Nicolas Maschke
Nicolas Maschke

Poesie Datenbank

Gedichte über Gestalten und Orte der nordischen Mythologie.

Gedicht an Odin

Im Wintersturm, so rauh und kalt, zieht Odin durch des Nordens Wald. Sein Mantel schwebt wie Nachtgewand, sein Auge greift nach jedem Land. Die Raben kreisen, schwarz und treu, sie künden Weisheit, alt und neu. Wo Yggdrasils gefroren‘ Ast, den Welten Schmerz getragen hast. Mit Speer in Hand, so stark und weit, gebietet er der Ewigkeit. Ein Flüstern geht durch Schnee und Eis, der Wanderer kommt, weis‘ und leis’. Im Schatten seiner schweren Schritte, sinkt jede Angst und jede Bitte. Ein Gott, so kühn, so kalt und rein, herrscht über Frost und Mondenschein. Die Hallen schweigen, tief und leer, doch Odins Odem weht umher. Ein Opfer ihm, der Götter Macht, gebührt in dunkler Winternacht. Runen schnitzt der Mensch ins Holz, mit blutigem, gehärtetem Stolz. Und hofft, dass Odin’s kaltes Herz im Frühling mildert Winters Schmerz. Oh, Herr des Nordens, Herr der Zeit, sei uns hold in Ewigkeit! Im Winter bleibst du uns ein Licht, bis neues Leben die Erde bricht.