Das Aalto-Musiktheater Essen setzt ein mutiges Zeichen für die Musikgeschichte: Mit der Aufführung von „Fritjof Saga“ holt das Haus ein fast vergessenes Juwel der schwedischen Romantik aus der Versenkung. Es ist nicht nur eine Geschichte über nordische Helden, sondern vor allem ein Zeugnis der Zusammenarbeit zweier außergewöhnlicher Frauen: der Komponistin Elfrida Andrée und der Literaturnobelpreisträgerin Selma Lagerlöf.
Eine Sensationelle Wiederentdeckung
Warum hat es über ein Jahrhundert gedauert, bis dieses Werk die Bühne erobert? Elfrida Andrée, die erste Domorganistin Europas und eine Pionierin ihrer Zeit, kämpfte zeitlebens gegen die gläserne Decke der Musikwelt. Gemeinsam mit ihrer engen Freundin Selma Lagerlöf schuf sie eine Oper, die tief in der nordischen Mythologie verwurzelt ist, aber musikalisch weit über die Grenzen Schwedens hinausweist.
Die Handlung: Liebe, Fluch und Versöhnung
Basierend auf der berühmten Isländersaga erzählt die Oper von der unmöglichen Liebe zwischen dem bürgerlichen Helden Fritjof und der Königstochter Ingeborg. Es geht um Ehre, Tempelschändung und die schmerzhafte Suche nach innerem Frieden. Lagerlöfs Libretto verleiht den archetypischen Figuren eine psychologische Tiefe, die auch heute noch modern wirkt.
Warum man diese Produktion in Essen sehen muss
Das Aalto-Theater beweist mit dieser Ausgrabung, dass der Opernkanon noch lange nicht ausgeschöpft ist. Die Inszenierung schafft den Spagat zwischen historischem Kontext und zeitloser Relevanz. Es ist eine Hommage an die Beharrlichkeit weiblicher Kreativität in einer männerdominierten Epoche.
„Fritjof Saga“ ist mehr als nur eine Opern-Rarität. Es ist ein spätes Gerechtigkeitsstück für eine Komponistin, die ihrer Zeit weit voraus war.


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